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Nachfolgende historische Anektode zum CB-Funk hat Sebastian Zettl
(DL3GAZ) beim stöbern
im Internet gefunden. Dank der freundlichen Erlaubnis des Verfassers
Dirk Krause (DL1GKD) möchte ich euch
das Werk nicht vorenthalten. Und jetzt viel Spaß beim Lesen. |
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Los ging
das ganze ja in den frühen Siebzigern, mit den so genannten
K-Geräten und 6 Kanälen. Einfach ein Gerät kaufen und losfunken, das
war nicht möglich. Es musste ein Bedarf nachgewiesen werden. Am
besten war da die Mitgliedschaft in einem der vielen
Funk-Hilfsvereine.
1975 endlich, wurde auch in Deutschland der CB-Funk auf 12 Kanälen
mit maximal 0,5 Watt Sendeleistung für ´Jedermann´ freigegeben. Und
da setzte der Boom ein, der bis weit in die 80er Jahre anhielt. Mein
erstes Funkgerät war eine ´Handgurke´ (Handsprechfunkgerät) mit
drei Kanälen, von Quelle, Markenname UNIVERSUM. Leider war das Gerät
ab Werk nur mit einem Kanal bequarzt. Pro Kanal musste ein Quarzpaar
(für Erzeugung der Sendefrequenz und Empfangs-Oszillatorfrequenz)
nachgesteckt werden, was das durchschnittliche Monatstaschengeld
fast aufbrauchte. Das Gerät hatte zwar ein stabiles, schwarz
lackiertes Metallgehäuse, aber der Lack löste sich bei
Dauerquasslern unter Wärme und Schweißeinwirkung bald ab. Also wurde
nachlackiert, erst schwarz, später grün ...
Schon bald musste der Handgurken Teenie feststellen, dass es andere
viel bequemer hatten. Und dass sie auch meistens weiter funken
konnten, wenn der Handfunker nicht gerade auf dem höchsten Turm oder
Gipfel stand und von dort dann selbst mit der bescheidenen
Teleskopantenne fast jeden am Boden übertreffen konnte. Diejenigen,
die bereits stolze
Besitzer eines Autos waren, saßen schon immerhin in der zweiten
Reihe: Ein Mobilfunkgerät, fest eingebaut, mit Handmikrofon und eine
möglichst lange Antenne, möglichst auf der Dachmitte, waren nicht
nur optisch eindrucksvoll, sondern konnten auch so manchen
´Heimstationsbesitzer´, bei Wahl eines entsprechend günstigen
Standorts, reichweitenmäßig in den Schatten stellen. Und das wusste
man natürlich schnell, wo die besten Standorte waren. So gab es an
topographisch bevorzugten und zugleich mit dem Auto erreichbaren
Lagen, vielfach Abend für Abend ein kleines Funkertreffen. Wegen der
oftmals mangelhaften Empängertrennschärfe konnte aber
höchstens immer einer im Umkreis von 200m funken. Die ´Durchschläger´
eines Senders in unmittelbarer Nähe machten die anderen Empfänger
´dicht´ und einen normalen Empfang unmöglich. Dies war aber nicht so
schlimm, denn unter Gleichgesinnten quatschte es sich auch ´visuell´nett,
wie das in CB-Jargon genannt wurde. Eigentlich gab es fast nur ein
Thema; Die Anlage, die Antenne, Koaxkabel, die Antennenanpassung und
deren so genannte ´Stehwelle´ (eigentlich technisch Korrekt
Stehwellenverhältnis). Und natürlich die Geschichten über
Weitverbindungen, das so genannte ´DX´, das bei entsprechenden
atmosphärischen Bedingungen selbst mit der mickrigen Leistung von
0,5 Watt kurzzeitig Verbindungen über 1000 und mehr km zuließ. Und
was noch ganz wichtig war: Die QSL-Karte
(Verbindungsbestätigungs-Karte)! Ohne QSL war man kein Funker. Und
wer eine QSL bekam, aber keine zurückschickte, war erst recht kein
Funker. Der Stolz eines jeden Funkers war die QSL-Sammlung, als
einziger Beweis
und einzige Materialisierung des vergänglichen und völlig
unmateriellen Funkkontaktes. Bei einem richtigen Funker war deshalb
mindestens eine Wand mit QSLs tapeziert. Die schönsten QSLs und die
Dokumente der weitesten Verbindungen hatten Ehrenplätze. Ich
erinnere mich noch heute daran, dass mein schönstes
Geburtstagsgeschenk zu meinem 17. Geburtstag ein geglücktes QSO mit
Florenz war.
QSL ? QSO ?
Wer nie selber gefunkt hat, hört jetzt an dieser Stelle entweder auf
mit Lesen, oder versucht, die so genannten Q-Gruppen zu lernen, die
eigentlich früher mal dazu gedacht waren, im Tastfunk (Morsetelegaphie)
Zeichen zu sparen. Eine historische Form der Datenkompression,
sozusagen. Nur ganz geschwind die wichtigsten Abkürzungen, zur
Erinnerung:
- QTH: Standort
- QRG: Frequenz
- QSY: Frequenzwechsel
- QRZ: Du wirst gerufen von ...
- QSO: Funkverbindung. QSO´s werden übrigens ´gefahren´...
- CQ: allgemeiner Anruf (Cq 11, CQ 11, hier ist ...)
- QSL: Bestätigungskarte für Funkverbindung
Daneben gab es natürlich eine Fülle von CB-Dialekten und
Redewendungen, die sicher zu 99% bereits wieder versunken sind. Der
´Spargel´ zum Beispiel, nein, das war die Antenne, sonst nix ! Und
wer einen ´mords Spargel auf dem Dach´ hatte, war eben Besitzer
einer schönen langen
Antenne. Lachen, übrigens, wurde meistens übersetzt. Wenn jemand
´was komisch fand, kommentierte er das mit ´Ha - Iih´(Hi), auch ein
übernommenes Telegraphie-Relikt. Was dem Mailer oder Chatter sein
Smiley ist, war dem Funker sein Ha-Iih ;-) ... Ebenso ging ein
Funker nicht ins Bett, sondern auf ´2m horizontal´, was die
ungefähre Länge eines durchschnittlichen Bettes in Bezug zu einer
populären Wellenlänge (der Funkamateure, allerdings) brachte. Wieso
der zuvor bereits erwähnte günstige Funkstandort aber ´Bräkerhügel´
hieß, weiß ich auch nicht. Ebenso wenig, wieso es hieß, man hätte
zusammen ´gebräkt´, wenn man einen Funkkontakt hatte. Vielleicht
hatte es seinen Ausgangspunkt beim ´Brääk!´ (break), dass ein
Dritter in ein
Zwiegespräch einwarf, um den Wunsch auf Mitreden kund zu tun.
Selbstverständlich waren aber auch Funker nicht (ganz)
geschlechtslose Wesen. Abgesehen davon, dass die Frauen - wie so
oft, in diesen Bereichen - absolut in der Minderzahl waren, wurden
auch sie mit einer Abkürzung bedacht: Es war die ´OW´, die
´Oberwelle´, die allerdings
manchmal auch als ´oh - Weh!´ interpretiert wurde. Die etwas
kundigeren hatten da allerdings ein netteres und eleganteres Kürzel,
aus dem Amateurfunk bzw. kommerziellen Funk entliehen: Die YL, ´young
lady´. Damit war dann die Freundin genannt, denn die Ehefaru, war
bereits -
egal wie alt - die ´XYL´, die ´Ex-Young-Lady´. Die ganz harten
Funker liebten und suchten aber mehr die Einsamkeit. Vor allem oder
sogar bei Nacht, wenn ´das Band frei´ war, und selbst
leiseste Signale ´aufzunehmen´ waren. Mancher schrie sich heiser, am
Mikrofon, bis er das normale Standardmikrofon durch ein ´V-Mike´,
ein Mikrofon mit eingebautem Vorverstärker ersetzte. Das war
natürlich nicht erlaubt, ebenso wenig wie es erlaubt war, das
Funkgerät zu öffnen und irgend etwas darin zwecks Leistungserhöhung
zu verstellen. Ganz zu schweigen vom Einsatz sogenannter ´Brenner´,
auch Nachbrenner genannt, die das popelige halbe Watt Hochfrequenz
um das teilweise 100-fache verstärkten. Mit 50 Watt oder sogar mehr
war dann entweder die Batterie gegen Morgen leer, oder, was
bedeutend unangenehmer war, ein gelbes
Fahrzeug, mit auffälliger Antenne auf dem Dach, hielt plötzlich
neben dem Privatrundfunker. Die Post, auch ´der Gilb´ genannt, war
überhaupt der Erzfeind aller echten Funker. Also musste jeder echte
Funker auch irgend etwas verbotenes oder nicht ganz legales haben.
Und wenn´s nur
das erwähnte Verstärkermikrofon war. Apropos V-Mike, die Produkte
der Firma TURNER hatten hier einen legendären Ruf. Das Turner m+2u
als klobiges Handmikrofon, und das Turner+3 als denkmalhaftes
Standmikro für den Chefsprecher daheim. Als Antenne war die ´DV 27´
mit etwa 1,3m Standard. Experten hatten für den Funkerhügel aber die
´DV 27 l´(lang) mit 2,70m im Kofferraum, die gleich ein ´paar dB´
mehr brachte.
Und überhaupt, das db: Das sogenannte S-Meter war das Wichtigste
überhaupt, beim ´Rapport´-Verteilen. Die Frage ´Wie komm ich denn
bei dir ´rein ?´beantworteten nur Witzbolde oder Unkundige mit ´Bei
der Tür´. Denn damit war schlicht nach einer Beurteilung der
Empfangsqualität gefragt. Der Rapport wiederum konnte, je nach
eigener Erwartung, Hochstimmung oder Niedergeschlagenheit auslösen.
Allerdings ist dazu zu sagen, dass leider nicht wenige Funkkollegen
sinnlose Rapporte verteilten, ohne das Rapportsystem verstanden zu
haben. Da war als erstes der Blick aufs S-Meter, also die Anzeige
der Empfangsfeldstärke. Neben diesem ´S-Wert´ (´Du kommst hier rein
mit Neun plus zwanzig !´) gab es noch den sogenannten ´Radio-Wert´,
eigentlich R-Wert von ´readability´, also die Verständlichkeit.
Damit konnte man die Güte der Sprachübertragung (´Modulation´)
beurteilen. Viele machten allerdings den Fehler, und verwechselten
leise Signale von weit entfernten Stationen mit schlechter Güte.
Aber das ist ein anderes Kapitel... Wer eine Top-Modulation hatte,
dem wurde auf alle Fälle eine ´UKW-Qualität´ seiner Aussendung
bescheinigt, die Krone der Verbalbewertung.
Zurück ins traute Heim: Bei den stolzen Heimsationsbesitzern, die
zwar in der ersten Reihe saßen, aber dafür auch jeden Monat DM 15.-
an den ´Gilb´ zahlen mussten, fing es bei 2,70 Antennelänge erst an.
Als Notlösung. Mindestens ´lambda-halbe´ (halbe Wellenlänge) musste
der Spargel haben. Noch besser war eine ´fünf achtel´ oder sogar als
Längenspitzenreiter eine überlange ´sechs achtel´, mit über acht
Metern. Solche Konstruktionen waren aber nicht unbedingt optimal,
was auch mechanisch galt. Viele der langen Spargel auf den Dächern
der 80er
zeigten dem Betrachter schon von weitem eindeutig die
Hauptwindrichtung an und repräsentierten damit einen eher geknickten
Funkerstolz.
Doch trotz den monatlichen DM 15.-, trotz nicht seltenem Streit mit
Nachbarn, wegen unerwünschter Wiedergabe von Funkgesprächen aus
Plattenspielern, Radios, HiFi-Anlagen und Fernsehern (das
gefürchtete ´TVI´, Television-Interference), trotz Besuch vom
´Gilb´, war die
Heimstation das Ziel und die Krone der Funkerausstattung. An
deutschen Marken, die - sowohl bei Handsprechfunkgeräten,
Mobilgeräten oder Heimstationen - den Markt dominierten, fällt mir
noch ein: DNT, Stabo, Kaiser, etwas seltener Grundig, Blaupunkt und
PeWe, und natürlich die
berühmten UNIVERSUM- (Quelle) und PALLADIUM (Neckermann)-Geräte. An
ausländischen Fabrikaten und Markennamen erinnere ich mich an
Sommerkamp, Zodiac und President, die allesamt auch beliebte Geräte
bei ´Schwarzfunkern´ waren, also denen, die mit unerlaubten Geräten
(mehr als 12 Kanäle, mehr als 0,5 Watt) unterwegs waren.
Wenn es heute möglich ist, per Webcam freiwillig jede Privatsphäre
aufzugeben und alle Welt an seinem häuslichen Leben teilhaben zu
lassen, so war es vor über 20 Jahren die Heimstation und das
Vorverstärkermikrofon, dass fast sämtliche Neben- und Lebensgeräusche
aus dem trauten Funkerheim im Umkreis von 20, 30 und mehr Kilometern
verteilte. Neben langen Monologen waren manche Funker auch Meister
der Sprechpausen, bei gedrückter Sendetaste. Der praktische
Feststellknopf am Turner+3 ermöglichte es durchaus, mal eben
aufzustehen, aus dem Kühlschrank ein Bier zu holen und dabei
weiterzuquatschen. Die echten Spezialisten schafften so problemlos
´Durchgänge´, also Sendedauern von bis zu 10 Minuten, was dann schon
fast ´rundfunkähnliche Darbietungen´ waren. Danach wusste dann jeder
Zuhörer, welches Fernsehprogramm im Hintergrund läuft, wie viele
Kinder im Haushalt wohnen, ob die ´OW´ gut
gelaunt ist, oder ob gerade das Badewasser einläuft.
Dem gegenüber stand der Schweiger. Der Dauerschweiger, der nichts
sagte, sondern nur die Taste herunter drückte. Und schwieg. Es waren
die so genannten ´Trägerdrücker´, die also nur einen ´unmodulierten
HF-Träger´ aussendeten. Was hatte dies für einen Sinn ? Nun, die
Absicht war Stören, einfach Gespräche stören. Und natürlich die
Freude an den alsbald und mit ziemlicher Sicherheit einsetzenden
Schimpfkanonaden der Gestörten. Wenn der tonlose Tastendruck nicht
ausreichte, hielten manche ihr Mikrofon vor den Lautsprecher des
Autoradios, denn ´Trägerdrücker´ gingen ihrem Handwerk zu 95% aus
dem Auto nach. Ganz mutige rülpsten auch hinein, oder gaben sonstige
Lautimpulse von sich. Es war schon bald allgemeiner Konsens, dass
die beste Methode gegen Trägerdrücker war, sie zu ignorieren und
keinesfalls zu beschimpfen, wie es dennoch oft genug geschah
(Schwätz doch mal was du feige S.. , wenn ich dich krieg..., ich
weiß wo du bist, ich komm jetzt vorbei... , ich zeig dich bei der
Post an...).
In Einzelfällen blieb es dann nicht bei den Drohungen. Ich kenne
einen Fall, in dem ein Trägerdrücker von aufgebrachten Funkern
gejagt, gefunden und gestellt wurde. Dass dabei nicht nur das
Funkgerät und die Antenne des Störsenders hart behandelt wurden,
muss wohl nicht extra erwähnt werden ...
Spätestens seit dem Aufkommen der ´Handys´ ging es mit dem CB-Funk
jedoch bergab (Obwohl ja beim Handy in den meisten Fällen die
tatsächliche ´Funkstrecke´ bis zur nächsten Basisstation höchstens
einige Kilometer beträgt und ab da das Gespräch ganz normal über
Draht
läuft. Von ´DX´ kann man da also nicht reden ... )
Die wenigen noch auf Dächern stehenden CB-Antennen sind meist
vergessene Relikte, die sich oft in einem funktechnisch trostlosen
Zustand befinden. Heute sind auch nur noch ganz selten Autos mit
CB-Antennen zu sehen, ganz zu schweigen von den früher üblichen
Aufklebern mit
Funk-Markennamen und - ganz wichtig - dem eigenen Rufzeichen. Das
Rufzeichen, der Funkname also, konnte völlig beliebig sein, ein
´Nickname´ also auch. Alles war vertreten, vom Filmstar (Rambo,
Rocky, ...) über die Namen häuslicher Lieblingstiere (Schnucki,
Minka, Boppele,...) bis zu den eher ´professionelleren´ Rufzeichen,
die oftmals die Initialen des eigenen Namens ins ´internationale
Nato-Buchstabieralphabet´ umsetzten. Aus Fritz Maier wurde so ein
schicker ´Foxtrott - Mike´, manchmal noch mit Nummer dahinter. Wer
das ganze Nato-Alphabet kannte, hatte sowieso schon die höheren
Weihen erreicht (Kennst Du es noch? Alpha, Bravo, Charlie, Delta,
Echo, ...), und demonstrierte dies mit der schnellen und fehlerfreien
Buchstabierung von ´QTH´ und Namen.
Vieles gäbe es noch zu berichten. Von echten Freundschaften, sogar
Ehen, die per CB-Funk ´vermittelt´ wurden, von regelmäßigen
Funkerrunden, bei denen stundenlang gequasselt wurde, von
Funkertreffs in total verrauchten Nebenzimmern, vom ´Neuner´, dem
heiligen Anruf-
und Notrufkanal, ... aber dieser Beitrag ist ja nun lang genug. Und
vielleicht fällt ja noch jemand anderem ´was ein ! 73, 55 oder 88
zum Beispiel ... |